Der Vergessenskurve ein Schnippchen schlagen - Agil im Safety Context durch werkzeuggestützte Nanozyklen im V-Model

Nicht umsonst wird bei der Auftragsvergabe von Projekten im Safety Bereich darauf hingewiesen, dass die Erfüllung der erforderlichen Richtlinien zu einem bis zum Faktor 10 erhöhtem Aufwand im Engineering gegenüber Engineering außerhalb des Safety Kontextes führen kann. Häufig wird dieser Aufwand von Unternehmen die bisher keine Erfahrung in diesem Bereich haben stark unterschätzt. Das Problem im Kontext von Safety ist, dass es sehr viel mehr Arbeitsschritte in Bezug auf eine Änderung gibt - Requirement Engineering, gefolgt von Implementation und Test, Dokumentation und Review.
Wenn alle Phasen im V-Modell in groben Schritten durchlaufen werden und einzelnen Tätigkeiten bezogen auf eine Änderung zeitlich weit auseinander liegen, kann ein Zusatzaufwand entstehen, da verschiedene Gehirne sich für jeden Schritt erneut in den Kontext der Änderung hineindenken müssen.

Eine andere Möglichkeit ist das V-Modell in einem Nano Zyklus für genau eine Änderung vollständig zu durchlaufen. Der Vorteil liegt im zeitlich dichterem Verlauf der einzelnen Tätigkeiten zueinander. Ein kleines Beispiel: Erfährt ein Entwickler innerhalb von 24 Stunden nach einer Änderung / Erweiterung dass diese zu einem Fehler geführt hat, oder die Anforderungen / Dokumente inkonsistent geworden sind, kann er sich noch sehr gut an den Kontext der Änderung erinnern die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass sein Gehirn in wenigen Sekunden die Ursache für den Fehler assoziiert und entstandene Lücken geschlossen werden können.

Werden Wochen später verschiedene Fehler zu verschiedenen Änderungen gefunden ist es um ein vielfaches schwieriger diese Fehler auf deren Ursachen zurückzuführen. Im Zweifel kann es Stunden bis Tage dauern die Ursache eines Fehlers zu finden. Die Vergessenskurve unserer Gehirne lässt eine direkte Assoziation nicht mehr zu. Das ist nur ein Beispiel von vielen anderen wie sich Nano Zyklen positiv im Engineering auswirken können, ganz abgesehen davon dass sie Voraussetzung für Agiles Engineering und Continuous Delivery sind.

Um diese Nano Zyklen im Engineering praktizieren zu können benötigt es technische Voraussetzungen im Engineering und in den eingesetzten Werkzeugen. In diesem Vortrag werden einige Voraussetzungen (Modellbasiertes Entwickeln, Filigrane Metastrukturen, End-to-End Tracebility, Global Configuration, Continuous Integration / Delivery, …) aufgezeigt und ein Eindruck gegeben wie Nano Zyklen in der Praxis gelebt werden können.

Was lernen die Zuhörer in dem Vortrag:

Eine Arbeit mit wenigen Unterbrechungen abzuschliessen macht nicht nur mehr Spass, sondern erhöht auch die Qualität der Ergebnisses. Gleichzeitig hilft es Konzentriert bei einem Thema zu bleiben was wiederum Effizienz und Qualität erhöht und die Fehlerquote senkt. Nanozyklen im V-Model ermöglichen mit weniger Unterbrechungen konzentriert an einem Thema zu bleiben und eine Tätigkeit schneller abzuschliessen.

In diesem Vortrag wird anhand eines konkreten Projekts dargestellt, wie agiles Embedded Software Engineering im Kontext von Safety über unterschiedliche Engineering-Domänen hinweg mit Hilfe einer gut integrierten, hoch automatisierten Werkzeugkette funktionieren kann und dadurch selbst last-minute changes problemlos integriert werden können.

Referenten: Johannes Trageser und Andreas Willert, Willert Software Tools GmbH

Johannes Trageser ist Product Owner für die Modellierungs- und Codegenerierungslösungen der Firma Willert Software Tools GmbH und dort seit 2010 tätig. Er promoviert im Bereich modellbasierter Entwicklungsmethodik für sicherheitskritische eingebettete Systeme. Sein Fachwissen in diesen Bereichen gibt er neben seiner Tätigkeit als Entwickler und Trainer bei Willert Software Tools auch als Dozent an der Hochschule Fulda und Kongressen weiter, wie z.B. dem ‚ESE Kongress‘ (Embedded Software Engineering Kongress - www.ese-kongress.de), der ‚MESCONF’ (Modeling of Embedded Systems Conference - www.mesconf.de), oder der ‚ENASE’ (Evaluation of Novel Approaches to Software Engineering - https://enase.scitevents.org).

Andreas Willert ist geschäftsführender Gesellschafter der Firma Willert Software Tools GmbH und dort seit 25 Jahren in der Beratung und Einführung von Engineering Vorgehen im Software und Systems Engineering tätig (Unter anderem bei Firmen wie AUDI, Continental, Pilz, Rheinmetall, Sennheiser, Bosch …).
Im Kontext von System- und Software-Engineering, Methoden, Prozesse und Werkzeuge ist er tätig als Buchautor, Referent von Seminaren und Vorträgen, unter anderem auf Kongressen, an Hochschulen, der TAE (Technischen Akademie Esslingen) und bei Willert Software Tools.

Andreas Willert ist Mitglied im Beirat des ‚ESE Kongress‘ (Embedded Software Engineering Kongress - www.ese-kongress.de) und Mitorganisator der ‚MESCONF’ (Modeling of Embedded Systems Conference - www.mesconf.de) eine der größten deutschen Konferenzen zum Thema MDSE.

Key Facts

Themengebiet: Software Entwicklung und Qualitätsmanagement in der Medizintechnik und Agilität in der Medizintechnik

Zielgruppe: Software Entwickler, Projekt Manager

Anspruch: Fortgeschrittene

Schlüsselwörter: Safety, Automatisierung, Entwicklungswerkzeuge, Modellierung, Traceability, Continuous Delivery

Datum und Uhrzeit: 11. Mai 2022, 14 Uhr 15 - 15:00

Raum: Rom

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