Pflicht oder Kür? Regularien oder Produktexzellenz? - HowTo UX für Medizinprodukte

User Experience (UX) und Usability Engineering sind für Medizinprodukte ein entscheidender Teil der Entwicklung. Entscheidet doch deren Qualität darüber, ob ein Produkt von den Nutzern akzeptiert wird. Dies hat einen hohen kommerziellen Nutzen, da die Anwender auch in Kaufentscheidungen eingebunden sind. Einfach zu bedienende Produkte sind schneller erklärt und sparen den Kliniken und Ärzten bares Geld. Aber auch das emotionale Erleben spielen eine große Rolle. Hier gehen UX und Patienten-Compliance Hand in Hand: Macht das Produkt auffällig krank, wird es von Patienten weniger akzeptiert. Ist es einfach zu bedienen und ästhetisch, steigt die Patienten-Compliance. Nicht zuletzt hat Usability Engineering einen regulatorischen Aspekt durch die Anforderungen der MDR und IVDR. Das Risiko durch Fehlbedienungen soll so gering wie möglich gehalten werden.

Der Vortrag zeigt auf, dass eine wichtige Frage am Anfang der Produktentwicklung ist, welche Qualität die UX und die Usability haben müssen. Möchte ich als Hersteller Marktvorteile durch gute UX und Usability sichern? Kann ich mir nur das regulatorisch nötigste leisten? Auf diesen Fragen aufbauend zeigt der Vortrag unterschiedliche Herangehensweisen an UX und Usability Engineering, so dass die Zuhörer verstehen, was unbedingt nötig ist, wann welche Aktivitäten wie die Analyse des Nutzungskontextes, Contextual Inquiry, Use Scenarios, Use Errors, Expertenbewertungen, PCA-Analysen, und formative und summative Usability-Tests sinnvoll und nötig sind. Dabei geht der Vortrag immer wieder darauf ein, wann und wie die Effizienz der Aktivitäten am höchsten ist.

 

Was lernen die Zuhörer in dem Vortrag:

Die Zuhörer kennen die wichtige Fragestellung, was man mit UX und Usability Engineering bezwecken möchte im Unternehmen: Verbesserung des Produktes oder einhalten der regulatorischen Anforderungen. Die Zuhörer lernen wann, welche Usability Engineering Aktivitäten wichtig sind:

  • Analyse des Kontextes für die ein erfolgreiches Produkt, sinnvoll aber auch für das Wissen über Risiken. Aufstellen der Use Specification als regulatorische Dokumentation des Nutzungskontextes.
  • Nutzung von Use Scenarios, im Sinne einer Soll-Beschreibung der Arbeitsabläufe rund um das Medizinprodukt.
  • Analyse der Use Errors aus den Use Scenarios heraus, um im Vorhinein die wichtigen Use Errors zu identifizieren und in das Risikomanagement zu übertragen.
  • Erstellung von nicht-funktionalen Prototypen als Basis für formative Evaluationen entweder expertenbasiert oder mit Hilfe von Usability-Tests.
  • Erstellung von User Interface Requirements mit Hilfe von Wireframes und Zeichnungen, um so die Entwicklung des Produktes aus einer UX und Usability

 

Referenten: Michael Engler und Kay Behrenbruch, Benkana Interfaces GmbH & Co. KG

Michael Engler ist Gründer, geschäftsführender Gesellschafter und Senior Consultant bei der Benkana Interfaces GmbH & Co. KG mit dem Fokus auf Requirements- und Usability-Engineering sowie Software-Entwicklungsprozesse und agile Methoden. Mit mehr als zehn Jahren Erfahrung berät, schult und coacht er Medizintechnik-Unternehmen. Er ist Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Oberösterreich für den Masterstudiengang Medizintechnik. Für den TÜV Rheinland und den TÜV SÜD hält er Seminare zu den Themen Entwicklung medizinischer Software und Usability- Engineering für Medizinprodukte. Er engagiert sich im Normungsgremium DKE/UK 811.4 „Ergonomie, Gebrauchstauglichkeit, Gebrauchsanweisung“ und im Richtlinienausschuss des VDI zu „Medical SPICE“ und dem VDI Fachausschuss „Software-Qualität in der Medizintechnik“. Er ist Vorsitzender des Arbeitskreises Medizintechnik der German Usability Professionals Association. Zuvor war er bei British Telecom in Großbritannien und bei der Method Park Software AG. Er ist Diplom-Informatiker (FH) mit Fachrichtung Medieninformatik.

Kay Behrenbruch ist Gründer, Geschäftsführer und Senior Consultant der Benkana Interfaces GmbH & Co. KG mit dem Fokus auf Usability Engineering, Human Factors und Anthropometrie. Er war National Expert der UPA beim UXQB. Er ist Mitglied im Normausschuss Ergonomie des Deutschen Instituts für Normung (NA 023-00-03 GA) und der ISO Joint working committee Ergonomics Standards Committee/Mechanical Engineering (NA 023-00-03 GA).

 

Key Facts

Themengebiet: Usability Engineering

Anspruch: Einsteiger

Schlüsselwörer: Usability, Marktvorteile, regulatorische Vorteile

Datum und Uhrzeit: 21. Oktober 2021, 14:35 bis 15:20

Raum: Madrid

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