Die Letzten sollten die Ersten sein – Formative Validierung jenseits der Usability

Je später Change Requests identifiziert werden, desto größer ist der Konflikt zwischen der Produktqualität und der Forderung nach „Time-to-Market“. In der Entwicklung begegnen wir dem mit agilen Methoden, kontinuierlichen Integrationen und automatisierten Unittests. Doch wie steht es mit dem Systemtest und der Validierung, die doch zwangsläufig eher am Ende des Entwicklungsprozesses angesiedelt sind?

Natürlich ist es möglich - und definitiv auch sinnvoll – Systemtests inkrementell zu spezifizieren und durchzuführen. Hier bietet sich die aus dem Behavior-Driven-Development (BDD) bekannte Spezifikationssprache Gherkin an. Testfälle „in Gherkin“ sind (idealerweise) frei von Implementierungsdetails und lassen sich verhältnismäßig einfach automatisieren.

Auch für die Gebrauchstauglichkeit, die einen wesentlichen Aspekt der Validierung darstellt, gibt es Möglichkeiten, Tests vorzuziehen. Prototypen für die Benutzeroberfläche ermöglichen frühes Feedback von potenziellen Anwendern und helfen, teure Fehlentscheidungen zu vermeiden. IEC 62366:2016 gibt den Kindern Namen und unterscheidet die formative von der summativen Bewertung. Die formative Bewertung erfolgt während der Entwicklung, die summative am Ende derselben.

Produktvalidierung ist jedoch mehr als nur die Bewertung der Gebrauchstauglichkeit von Benutzerschnittstellen. Gemäß ISO 13485 muss der Hersteller sicherstellen, „dass das resultierende Produkt in der Lage ist, die Anforderungen für die festgelegte Anwendung oder den beabsichtigten Gebrauch zu erfüllen“. Es stellt sich also die Frage, ob das Produkt überhaupt für den bestimmungsgemäßen Gebrauch geeignet ist.

Die Erfahrung zeigt, dass die im agilen Umfeld verbreiteten User Stories in der Regel zu feingranular sind, um einen vollständigen Überblick über die Arbeitsabläufe beim Endanwender zu bieten. Für eine gründliche Analyse des bestimmungsgemäßen Gebrauchs sind die altbewährten Anwendungsfälle, die Use Cases mit ihren Haupt-, Alternativ- und Fehlerszenarien, besser geeignet. Wer zudem kulturelle Unterschiede und kontextabhängige Abläufe in seiner Analyse berücksichtigt, besitzt eine ideale Grundlage für die Durchführung von End-to-End-Tests, die bei einem rein anforderungsbasierten Test sonst schnell zu kurz kommen.

In unserem Vortrag zeigen wir am Beispiel des Tests einer KI, wie sich Validierungsaktivitäten vorziehen lassen. Wir zeigen, wie inkrementelle, in Gherkin spezifizierte und teilweise automatisierte Systemtests durch gezielt ausgewählte, workflow-basierte End-to-End-Tests ergänzt werden können. Darüber hinaus diskutieren wir die Fallstricke, die ein rein anforderungsbasierten Test bergen kann und welche Maßnahmen helfen, diese zu vermeiden.

Was lernen die Zuhörer*innen in dem Vortrag?

  • Wie sich Systemtest und Validierung in ein agiles Umfeld integrieren lassen.
  • Welche Vor- und Nachteile der Einsatz von Gherkin im Systemtest bietet.
  • Worauf es bei der Erfassung von Workflows ankommt und wie sich diese darstellen lassen.
  • Wie sich sinnvolle, in der Anzahl beschränkte Validierungstests aus den Workflows ableiten lassen.
Anne Kramer
Anne Kramer

Dr. Anne Kramer promovierte 1995 in Physik an der Université Joseph Fourier (Frankreich). Sie begann ihre berufliche Laufbahn als...

45 Minuten Vortrag

Einsteiger
Zeit

21. Oktober


Raum

tba


Schwerpunkt

Agilität in der Medizintechnik

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